Geschichte Alzgern

Geschichtliches über Alzgern

Ortsheimatpfleger: Peter Buchner, Max-Fellermeier-Str. 8, Tel. 08671/3860

Mit der Eingemeindung in die Stadt Neuötting im Jahr 1971 endete die politische Selbständigkeit der ehemaligen Gemeinde Alzgern. Das Bewusstsein ,“Oizgerner“ zu sein, ging damit jedoch nicht verloren, die Pfarrei und die Vereine lassen Alzgern im Bewusstsein der Bevölkerung weiterleben.

Der Alzgern ist eingegrenzt zwischen den Fluten des Inns im Norden, dem Öttinger Forst im Süden, im Westen angrenzend an den Burgfrieden der Stadt Neuötting und im Osten keilförmig sich verjüngend eingegrenzt von der Alz bis zu seiner Mündung in den Inn. Diese Keilform war es auch, die dem Landstrich Alzgern den Namen gab. In dem Ger (mhd. ger, gere= Speer o. Wurfspieß) zwischen Inn und Alz wurden Siedlungen gegründet, die dem Alzgern zugeordnet wurden.

Mit dem Alzgern war zuerst nur das Gebiet benannt, die Fluren mit den fünf Dörfern, sechs Weilern und 24 Einöden. Erst später hat sich der reine Landschaftsname zum Orstnamen für das Dorf Alzgern gewandelt. Bis Ende des 18. Jahrhundert hieß das Dorf Alzgern: Sandmareinkirchen in dem Alzgern.

Besiedlung: Spärliche Bodenfunde bestätigen eine frühe Besiedlung im Alzgern, aus der mittleren Steinzeit (ca. 7000 v. Chr.) wurde ein Steinhammer mit Keilbohrung gefunden, aus der Jungsteinzeit (ca. 5000 v. Chr.) stammt ein Silexfund im Jahr 1997. Eine fortwährende Besiedlung während der Bronzezeit (ca. 2200 500 v. Chr.) ist durch Funde aus der Frühbronzezeit (Bronze-Spangenbarren), aus der Hallstattzeit (Hügelgräber) und aus der Latènezeit (Bronze-Ring) belegbar.

Auch noch unter der römischen Verwaltung im Noricum (15 v. Chr. – 488 n. Chr.) lebten Kelten im Alzgern (Friedhof aus der Spät-Latènezeit). Da eine fortbestehende Besiedlung des Alzgern anzunehmen ist, werden sich Kelten, römische Siedler (Villa in Emmerting; Überfuhr bei Neuötting) und umherwandernde germanische Familien zur neuen Einwohnerschaft verschmolzen haben. Mit der Bairischen Landnahme im 6. Jahrhundert wurden die ersten Orte (ing-Orte), wie Mittling, Jaubing und Schwepfing gegründet. Reihengräberfelder in Roja  und Jaubing/Mittling bezeugen die Besiedlung im Frühen Mittelalter (500 – 800 n. Chr.)

Die Bekehrung der heidnischen Bevölkerung im Alzgern zum Christentum dürfte anfangs des 8. Jh. eingesetzt haben. Vermutlich waren es Missionare aus Salzburg, die der Salzburger Bischof (der hl. Rupert) aussandte, um die Alzgerner zu Christen zu machen.

In den Dörfern wurden Kirchen errichtet, wohl zuerst als Holzbauten, im 12.Jhdt. aus Mauerwerk. So enthalten sämtliche Kirchen im Alzgern romanische Grundlagen: St. Nikolaus in Mittling; St. Petrus und Paulus in Mitterhausen; Mariä Himmelfahrt in Alzgern; St. Margaretha in Untereschelbach.

München war noch ein einsamer Flussübergang als bereits Orte im Alzgern aus dem Dunkel der Geschichte in Urkunden auftauchten: So im Jahr 928: Mittling: Schenkung des Ortes „Mutilingam“ mit Kirche durch Bischof Odalbert, im Jahr 933: Untereschelbach: Der Salzburger Erzbischof erwarb einen Hof in „Eschkilinpah“ , 1170: Mitterhausen: „Bertold de Mitternhusen“ erscheint in Salzburger Urkunde , weiter 1180: Jaubing: Ein „Walterus de Jubingen“ tritt als Zeuge vor Gericht auf.

Mittling ist wohl die älteste dörfliche Siedlung, sie wurde mutmaßlich von einem Sippenführer Mutilo gegründet, der auf dem Schlossboden eine befestigte Wohnanlage errichtete. Mittling war Pfarrsitz, die Pfarrei reichte in früherer Zeit über den Alzgern hinaus nach Perach und Emmerting. Im Jahr 1231 wurde die dem Erzbistum Salzburg eingegliederte Pfarrei dem Chorherrnstift Altötting geschenkt, in Folge wurde die Pfarrei von 1231 bis 1803 (Säkularisation) durch Vikare verwaltet. Die Pfarrei wurde um 1400 in das dem Stift näher gelegene Sandmareinkirchen (Alzgern) verlegt. Ab 1803 ist die Pfarrei Alzgern wieder selbständige Pfarrei.

Die von den Agilolfingern als Verwaltungseinheiten eingerichteten Gaue (Alzgern zählte zum Cidlargau) ersetzten im 13. Jh. die Wittelsbacher Herzöge in Altbayern durch Gerichtsbezirke, die wiederum in Schergenämter unterteilt waren. Alzgern wurde zuerst als Obmannschaft „Im Alzgern“ dem Amt Ötting (Neuötting) später dem Amt Wald zugerechnet. Dem Schergenamt stand der Scherg oder Amtmann, der Obmannschaft der Obmann vor. In späterer Zeit wurde der Alzgern ein eigenes Amt (nachweislich ab 1713). Im Zuge der Neuorganisation des Gerichts- und Verwaltungswesens wurde aus dem Amt im Alzgern ab 1803 der Steuerdistrikt Alzgern und ab dem Jahr 1818 die Gemeinde Alzgern. Wie eingangs schon angeführt endet die politische Selbständigkeit mit der Eingemeindung in die Stadt Neuötting im Jahr 1971.

Über Jahrhunderte hinweg sorgte die Landwirtschaft, die Arbeit im Forst, das Werkeln in Mühlen und Sägen, der Erfolg der Fischer und das Kleinhandwerk für die Lebensbedürfnisse der Alzgerner  Bevölkerung. Erst mit der Industrialisierung im Landkreis begann der Wandel zu einer Wohngemeinde für Arbeiter. Mit der Integration von Heimatvertriebenen nach dem 2. Weltkrieg begann größere Wohnbautätigkeit in Alzgern, so hat sich der Ort Alzgern nun ausschließlich zum Wohndorf gewandelt.

Mit Schuljahrsschluß im Juli 1972 endete nach 205 Jahren die Schulgeschichte in Alzgern. Ein bedeutendes Jahr für die Zukunft Alzgerns war 1994, denn nun konnten die Kinder in den neuen örtlichen Kindergarten St. Christopherus einziehen und die Pfarrangehörigen das neu errichtete Pfarrheim nutzen. Um Alzgern attraktiver und für die Zukunft gewappnet zu machen initiierten Alzgern und besonders wiederum Mitglieder des Schützenvereins einen Beschluss der Stadt Neuötting zu einer Dorferneuerung.

Die Dorferneuerung steht nun vor dem Abschluss; wir können sehen, was durch Zusammenwirken von Stadt, dem Amt für ländlicher Entwicklung und den mitwirkenden Alzgerner entstanden ist:

Ein neu gestalteter Dorfplatz; eine Widderanlage mit Platonischen Körpern, eine neue Straßenführung, die Ortsumrandung und der Kammmolchweiher.

Dass Alzgern bereits im 18. Jahrhundert ein Schmuckstück war, bescheinigt der kath. Theologe Klement Alois Baader im folgenden Zitat aus seinen Briefen über Reisen durch verschiedene Gegenden Deutschlands im Jahr 1795.

„Unter den übrigen Dörfern und Kirchen der Gegend gefiel mir vorzüglich jene zu Alzgern.“